EXTRABREIT

Das Original NDW

11.03.2016

 

Sie verspotteten die Polizei, zündeten die Schule an und besangen düster den Tod des Präsidenten. Sie ließen auf Partys den Flieger abheben, willt3en Annemarie ficken, beschworen die Wonnen der Kleptomanie und die Abgründe des Kokains: Ende der 70er entdeckten fünf Jungs aus Hagen die Schönheit der 2-Minuten-Gitarrenhymne mit rotzig-subversiven Texten und eroberten bald darauf damit die Charts: Extrabreit, die Erfinder des deutschen Pop-Punks. Dafür wurden sie von renitenten Teenagern heiß geliebt und von der Musikkritik als NDW-Spaßkapelle verschrien, von Franz-Josef-Strauß‘ Bayrischem Rundfunk verboten und von der Punk-Avantgarde als Abzocker angefeindet. Schon in den 80ern waren Extrabreit eine ebenso umstrittene wie legendäre deutsche Band und im Jahr 1982 mit zwei Goldenen Schallplatten auch die erfolgreichste.
Eigentlich waren sie eine punk-infizierte Garagen-Rockband aus dem Umfeld der linken Szene ihrer Heimatstadt Hagen, die Musik und Texte für sich und ihre Leute machten. 1978 in Hagen von dem Schaufensterdekorateur Stefan Klein (Gitarre, heute St.Kleinkrieg) gegründet, machten Extrabreit mit dem Cartoonzeichner Kay Schlasse (aks Kai Havaii) als Sänger und Texter zunächst mit Live-Konzerten regional auf sich aufmerksam und erhielten 1980 die Chance, ihre Songs auf dem selbstironischerweise „Ihre Grössten Erfolge“ genannten Debütalbum zu veröffentlichen. Es enthielt 13 Alltagshymnen, von“ Hart wie Marmelade“, „Lottokönig“ und „Sturzflug“ bis zu „Junge, wir können so heiß sein“ und interessierte zunächst nur Wenige. Erst beharrliches Touren und das zweite Album „Welch ein Land! Was für Männer!“ mit der Chart-Single „Polizisten“ brachte Ende 1981 den Durchbruch. Als im Frühjahr 1982 nachträglich aus dem Debütalbum die Single „Hurra, hurra die Schule brennt“ ausgekoppelt wurde, verbuchten Extrabreit nicht nur ihren größten Single-Hit der 80er, sondern galten fortan auch als die Bad Boys der NDW, die der Bravo und anderen Teenie-Zeitschriften einige Skandalgeschichten wert war. Dabei hatte man neben partytauglichem Chart-Stoff auch so singuläre Rocksongs wie „Der Präsident ist tot“ oder „Ruhm“ zu bieten. Im Herbst 1982 beschloss das Album Rückkehr der phantastischen 5! Die Trilogie der Frühwerke mit Nummern wie „Kleptomanie“, „Superhelden“, „Kokain“, „Komm nach Hagen (werde Popstar)“ und „Duo Internal“ mit Marianne Rosenberg.
Damit hatten Extrabreit innerhalb von zwei Jahren drei klassische Deutschrock-Alben hinterlassen, die bis heute al stilbildend gelten müssen. 1990 besannen sie sich wieder auf alte Stärken und kamen wieder mit dem Best-Of-Album „Zurück in die Zukunft“ und einem Remix von „Flieger, grüß mir die Sonne wieder in die Top Twenty der Charts. Es folgen ausverkaufte Tourneen und einige Alben, die neben Hits wie „Joachim muß härter werden“ auch die historischen Duette mit Hildegard Knef („Für mich soll’s rote Rosen regnen) und Harald Juhnke („Nichts ist für immer“) enthielten.

www.die-breiten.de

VK 18,00/AK 22,00